Liebe Leser, hier nun eine kurze Zusammenfassung unseres ersten Seelsorge-Unterrichtes bei Maike Behn.
“Ich fühle mich löwen-stark, hunde-müde oder weiden-schwach!”, solche Gefühle kennen wir wohl alle. Unser Unterricht startete am ersten Tag mit einer Vorstellungsrunde und der Frage: “Was für ein Baum bist du bzw. würdest du gern sein?” Denn wir Menschen unterliegen, genauso wie Pflanzen, einem Vier-Jahreszeiten-Rhythmus (Frühjahr mit Blüten, Sommer mit Durststrecken, Herbst mit Fruchtzeiten, Winter mit Pausen). Weiterhin lernten wir, dass Gott alle Geschöpfe liebt, egal wie sie sich benehmen; jedes Verhalten macht subjektiv Sinn, wenn ich den Hintergrund verstehe; Jesus hat seit über 2000 Jahren die Retter-Rolle übernommen, wir müssen uns als Seelsorger nicht kaputt-sorgen, sondern können getrost Probleme, Nöte, … an ihn weitergeben und ihm ein Eingreifen überlassen.
Die Unterscheidung der Begriffe: Seelsorge, Beratung, Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie wurde uns ausführlich erläutert. Sehr wichtig seien ebenfalls Pausen-Zeiten, am besten nach dem Schema: 1 Stunde pro Tag + 1 Tag pro Woche + 1 Woche pro Jahr. Klarheit, Wahrheit, Natürlichkeit, Authentischsein ist bei Gesprächen hilfreich. Ratschläge sind auch Schläge. Ein guter Seelsorger begleitet den Menschen und führt ihn zur Selbsterkenntnis. Er muss sich aber selbst erstmal gut kennen lernen, um hilfreich tätig zu sein. Ergänzende Stichworte: günstige Rahmenbedingungen schaffen, angemessene Gesprächshaltung, barmherzige Kommunikation (wichtig: 80 % Gefühlsebene, nur 20 % Verstandesebene), keine Gesprächskiller verwenden, Perspektive wechseln (in den Anderen hineinversetzen).


Der zweite Tag begann mit dem Aufgreifen sprachlicher “Tier-Bilder” (Beschreibung und Benennung, was man/ frau vor Augen hat bei bestimmten Gefühlen), desweiteren ging es um Lieblingspersonen der Bibel, Persönlichkeitstypen, Wertschätzung, Gebet, gewaltfreie Kommunikation und und und. Bei der Betrachtung eines Genogramms (eine Art Vorfahren-Übersicht mit psychologischem Effekt) wurde klar, dass Tabuthemen (wie z.B. Abtreibungen, Fehlgeburten, Fremdgehen, Scheidungen, Erkrankungen, Süchte, Selbstmorde, Fluchten, Kriege) nicht nur die betreffenden Menschen zerstören, sondern noch Generationen danach ähnliche Probleme auftreten können. Zum Trost: Jesus kann Schuld vergeben und alles neu machen! Anders umschrieben: “Aus Mist kann guter Dünger werden!”
Unser eigenes Genogramm haben wir am dritten Tag dann “seelsorgerisch” besprochen. Bei einem folgenden Schweige-Spaziergang durften wir Gottes Schöpfungsordnung besonders intensiv erleben. Ebenso wichtig: Konzentration auf den Atem, Körperwahrnehmung, Sinnesreize, …! Die drei Tage endeten dann mit der Auswertung eines selbst-gedrehten Gesprächsvideos, wobei wir auf Mimik, Gestik, Haltung, Sprachmodulation usw. achteten. Den würdevollen Ausklang bildete natürlich ein gemeinsames Gebet nach der Ziehung von Segensworten.
Persönlich fand ich den Unterricht sehr spannend und interessant, wahrscheinlich auch deshalb, weil es mein Liebligsfach ist.
Tobias, 1. Studienjahr